Verbandsversammlung am 19. Dezember 2011- Redebeitrag von Wolfgang Freye zum TOP 2.15 ?Innenstädte und Ortszentren in der Metropole Ruhr vor ruinösem Wettbewerb schützen- Grundlagen in NRW zur Steuerung des großflächigen Einzelhandels schaffen!?
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
wir stimmen mit den harten Aussagen dieses Papiers völlig überein. Die harten Aussagen sind, das will ich einmal kurz zitieren:
? Die Strategie des Landes, die Innenstädte durch umfangreiche Förderprogramme aufzuwerten und zu beleben, wird durch die drohende Neuansiedlung der großflächigen Einzelhandelsprojekte ausgehöhlt. ? Seit dem Ochtrup- Urteil fehlen klare Grundlagen und Ziele des Landes zur einheitlichen und landesweiten Steuerung der Einzelhandelsentwicklung. ? Die Verbandsversammlung im Regionalverband Ruhr fordert die Landesregierung und den Landtag NRW dringend auf, klare gesetzliche Grundlagen zur Steuerung des großflächigen Einzelhandels zu schaffen.? Außerdem gehört dazu auch die Unterstützung der von Städten und Kreisen im Ruhrgebiet mitgetragenen ?Gemeinsame Erklärung der Städte und Kreise zum FOC in Werl.? Diese unterstützen auch wir.
Aber, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen,
es ist schon etwas problematisch sich hinzustellen und mit dem Finger auf Andere zu zeigen und selbst auch erhebliche Ausweitungen von Einzelhandelsflächen in den letzten Jahren zu verantworten zu haben.
Ich will nur mal ein paar aufzählen:
- In Essen entstand der Limbecker Platz. Er befindet sich zwar im Innenstadtbereich, ist aber eine Einzelhandelsgroßfläche, die ausdrücklich das Ziel hatte, Kaufkraft aus anderen Orten anzuwerben.
- Das Centro Oberhausen hat derzeit eine Verkaufsfläche von 70.000 m², welche ab Herbst 2012 um 17.000 m2 Netto- Verkaufsfläche erweitert werden soll.
- Das Rhein- RuhrZentrum Mühlheim /Essen ist erweitert wurden.
- Der Ruhr- Park Bochum vermeldet im Internet ganz stolz, dass ab dem 2. Juli 2011 Erweiterungen im Bau sind, um die Gesamtverkaufsfläche ausdehnen zu können.
- Die Thier- Galerie in Dortmund ist gerade eröffnet wurden.
Außerdem fehlt eine Sache in der Resolution vollständig, nämlich die Frage: Was wird mit dem Factory- Outlet- Center, welches in Duisburg ? Hamborn geplant ist? Wir haben das Projekt örtlich als Ansatz zur Stadtteilentwicklung unterstützt. Aber auch das ist eine Ausweitung von Verkaufsflächen. Zunächst sind dort 15.000 m² geplant mit der Option auf 25.000 m². Das ist in etwa die Größenordnung der Center, über die wir hier reden und von denen vor allem das östlichen Ruhrgebiet betroffen ist.
Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen,
das ist das Problem: Im Grunde macht jede Stadt bei dieser Einzelhandelsfrage das, was sie für richtig hält und stets ausdrücklich mit dem Ziel, Kaufkraft dazu zu gewinnen. Sicherlich will Wuppertal- IKEA ist dort wohl im Gespräch- auch Kaufkraft aus dem Ruhrgebiet abziehen. Andererseits hat der Einzelhandel im Ruhrgebiet ausdrücklich den Anspruch, Kaufkraft aus einem großen Umland abzuziehen. Das Centro rühmt sich auf seiner Internetseite damit, das größte Einzelhandelszentrum in Deutschland zu sein und ein Einzugsgebiet bis weit nach Holland hinein zu haben. Das wissen wir alle.
Ich will auf diese Problematik hinweisen, weil das Ganze ja nicht so funktionieren wird, dass man daraus eine Einbahnstraße macht, die so aussieht, dass sich die großen Centren ausbauen dürfen, aber kleinere Orte; Wuppertal ist ja auch kein kleiner Ort, sondern eine Großstadt mit 300.000 Einwohnern; kleinere Orte kriegen von den Größeren sozusagen eins auf die Mütze, wenn sie bei dieser Form der Erweiterung so nicht mitmachen. Das ist das Problem!
Deshalb unterstützen wir durchaus die zitierten Kernaussagen dieses Papiers, aber alles darum herum, was teilweise auch mehr begründenden Charakter hat, finden wir sehr einseitig und ziemlich problematisch. Da meinen wir, dass wir uns teilweise als Ruhrgebiet auch an die eigene Nase fassen müssen und selbst Konzepte entwickeln müssen auch gerade bei den Fällen, die uns selbst als Regionalplanungsbehörde angehen, wie z.B. Duisburg.Letztlich muss ein Einzelhandelskonzept für die Region her, das verbindliche Rahmenregelungen schafft.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

