Verbandsversammlung am 20. Juni 2011- Redebeitrag von Wolfgang Freye zum TOP 2.6 ?Einstieg/Umsetzung Masterplan Sport?
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich darf mal aus dem Protokoll des letzten Kultur- und Sportausschusses am 23. Mai 2011 zitieren. Darin heißt es: ?DerKultur- und Sportausschusses bittet um Konkretisierung des Beschlussvorschlages und leitet die Drucksache zur Beschlussfassung weiter an die Verbandsversammlung.?
Das ist mittlerweile vor 27 Tagen gewesen. Ich frage mich wirklich, wieso wir am Freitag in die Geschäftsstelle und hier als Verbandsversammlungsmitglied heute morgen einen Antrag der Verwaltung bekommen, der praktisch, das was vor mehr als drei Wochen vom Kultur- und Sportausschuss beschlossen worden ist, zu konkretisieren versucht.
Ich kann das nicht mehr nachvollziehen.
Wir haben übrigens nach unserer Fraktionssitzung am letzten Dienstag, am Mittwoch früh auch in der Verwaltung nachgefragt, was eigentlich mit der Beschlussvorlage ist. Da wurde uns gesagt: Man wäre noch in Diskussion, was man da macht. Die Vorlage ist ja datiert auf den 15.6. 2011. Das war dann genau letzten Mittwoch.
Ich finde das einfach von der Vorbereitung her nicht in Ordnung und frage mich wirklich, warum solche Prozesse so laufen.
Der Masterplan Sport ist sicherlich ein Anfang, wie Kollege Marschan von der SPD gerade gesagte hat. Allerdings muss man tatsächlich feststellen, selbst in der Verwaltungsvorlage, in der Stellungnahme der Verwaltung zu dem erarbeiteten Masterplan, steigt die Verwaltung eigentlich schon fast wieder aus dem Masterplan aus und relativiert das was dort steht maßgeblich.
Auch wir sind der Meinung, dass es durchaus erhebliche Defizite in dem vorliegenden Masterplan gibt, die in der Zukunft noch gefüllt werden müssen. Wir sind zum Beispiel der Meinung, dass eine Darstellung des derzeitigen Zustandes der kommunalen und regionalen Sportanlagen und des kommunalen und regionalen Sportangebotes in der Region fehlt.
Im Grunde genommen hatten wir uns das vom Masterplan erhofft. Er sollte eine gewisse Bestandsaufnahme machen, um auf derer Grundlage dann Handlungsvorschläge entwickeln zu können.
Wo ist es z.B. sinnvoll, dass Städte und Gemeinden kooperieren? Wir haben doch das Problem, dass wir in den größten Teilen eine Städteregion sind. Ich will nicht über die Kreise hinweg sehen, aber im Kerngebiet des Ruhrgebiets sind wir eine Städteregion, die ineinander über geht. Oft gibt es Sportanlagen, die am Stadtrand liegen. Diese könnten und werden durchaus von beiden Städten genutzt, auch von Vereinen, die Mitglieder aus anderen Städten haben.
Gerade angesichts der finanziellen Situationen der Kommunen wäre es natürlich entscheidend und wichtig zu diskutieren, was kann man da mit regionaler Kooperation machen. Genau das ist die Aufgabe des RVR.
Die FDP hat ja bestritten, dass für den RVR überhaupt irgendwelche Aufgaben im Bereich des Sports da sind. Aber genau diese Kooperationen zu entwickeln, würde ich als Aufgabe sehen und hatte eigentlich erhofft, dass der Masterplan Sport das ein Stück weit macht. Gerade bei den Bädern ist das übrigens besonders notwendig, wo der RVR über die Freizeitgesellschaften ja auch teilweise Träger ist.
Was wir auch finden ist, dass der Freizeit- und Breitensport in der Darstellung im Masterplan Sport zu kurz kommt. Wir können nicht nur den Fokus auf Spitzensportveranstaltungen legen und auch nicht nur auf Vereine, auch wenn viele Menschen im Ruhrgebiet Mitglieder in Sportvereinen sind.
Es ist doch so, das behaupte ich, dass ein ganz großer Teil des Sports in der Region außerhalb von Vereinen betrieben wird, nämlich von Leuten, die morgens regelmäßig schwimmen gehen, joggen oder Fahrrad fahren und so weiter. Die Entwicklung und Bedeutung dieses Bereiches, außerhalb von Vereinen sportlich aktiv zu sein, spiegelt sich nur unzureichend in dem Masterplan wider.
Genauso fehlen uns besondere Würdigungen der Bereiche Migration, Frauen, und auch Inklusion Behinderter. Das sind alles ganz wichtige Themen für die Sportpolitik.
Bei der Diskussion des Entwurfes des Masterplanes in der Fraktion hat Dr. Nellen gesagt, er könne sich z.B. gut vorstellen, dass man gerade zum Thema Migration in nächster Zeit einen eigenen Workshop braucht. Das sehen wir auch so und würden dessen Umsetzung ausdrücklich unterstützen.
Es ist deswegen aus unserer Sicht richtig, wenn im Beschlussantrag der jetzt von Rot- Grün vorgelegt wurden ist ? der uns immerhin eher erreicht hat als die Verwaltungsvorlage ? steht, dass die Beschlussfassung heute im Grunde genommen als Einleitung eines Prozesses, nicht als Ende eines Prozesses, sondern als Einleitung eines neuen Prozesses verstanden wird, bis hin zur Fortwirkung des Lenkungskreises, der weiter bestehen und tätig sein soll, um den vorliegenden Masterplan weiterzuentwickeln.
Was dort an Beschlussfassung drin ist, ist aus unserer Sicht ausreichend, denn dort sagen wir: ?Wir beschließen den Masterplan Sport zusammen mit den Ergebnissen der begleitenden Workshops als Grundlage der zukünftigen regionalen Sportentwicklung.? Das heißt aus unserer Sicht auch, dass wir genau die Frage des Fachpersonals mit beschließen. Denn in der Stellungnahme der Verwaltung steht drin, dass intern die Etablierung zusätzlich qualifizierten Fachpersonals eine der Aufgaben ist, die beim RVR in nächster Zeit gelöst werden muss.
Wir teilen ausdrücklich die Infragestellung der Vergabe bestimmter Aufgaben in diesem Bereich an eine Agentur. Wir sehen das skeptisch und sind der Meinung, dass die Aufgaben der Kooperation oder der Kooperationsentwicklung vor allem transparent und politisch offen gestalten werden müssen. Dafür müsste sich der RVR aufstellen. Wenn er das nicht selber kann, dann wird er seine Aufgabe letzten Endes in diesem Bereich verfehlen.
Wir sind der Meinung, dass der RVR sich genau in dieser Richtung weiterentwickeln muss, Kooperationen in der Region zu entwickeln, auch ein Stück weit noch mehr als Dienstleister für die Kommunen tätig zu sein, auch auf dem Feld der Kultur und des Sports.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

