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Verbandsversammlung am 21.06.2010: Redebeitrag von Susanne Kreuzer zu TOP 2-4 ? Statusbericht Bildung Metropole Ruhr

Susanne Kreuzer

Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren,

 

zuerst einmal herzlichen Dank für die Vorstudie über das Bildungswesen in der Metropole Ruhr. Auf Seite 15 der Vorstudie steht:? Bildungslandschaften sind Kontextabhängig. Sie können nicht losgelöst von gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen betrachtet werden.? Bis in die kleinen kreisangehörigen Städte und Gemeinden hinein muss diese Aufgabe also gelöst werden. Denn was passiert mit einer Gesellschaft, wenn es dort kein adäquates Bildungsangebot gibt? Im Ruhrgebiet sind in bestimmten Teilregionen bis zu 20% der Schulen von der Schließung bedroht. So sagt es der Bericht.

 

Wie also können Bildungslandschaften dieser Tendenz entgegen wirken?

Die Vorstudie nennt dazu 6 Punkte, ich will hier nicht alle erwähnen:

Dezentralisierung, da viele Entscheidungen ?Nähe? und die spezielle Kenntnis der Sachlage  erfordern.

Verhandlungssysteme, das sind Kooperationen der regionalen Akteure mit dem Ziel der Selbstorganisation.

Netzwerkbildungen helfen, Probleme effektiver zu lösen und sie stärken und erweitern  organisationseigene Kapazitäten.

Entbürokratisierung, da Kooperationen Handlungsspielräume benötigen, wobei willkürliches Handeln genauso wenig wünschenswert ist wie eine Zerregelung. Es geht vielmehr um eine transparente Entbürokratisierung.

Als letzten Punkt wird von den Autoren die Harmonisierung genannt. Sie begründen ihn damit, dass eine ständig unter Spannungen leidende Kooperation nicht überdauern wird.

 

Mir erscheint, dass bei der Umsetzung die Verwaltung viel Arbeit bekommt. Aber dass wir unsere Bildungssystem umstellen müssen, steht außer Frage.

 

Die Vorstudie teilt das komplexe Thema Bildung danach in 5 Module ein.

1.      Frühkindliche Bildung

2.      Allgemein bildende Schulen

3.      Berufliche Bildung/Fort-und Weiterbildung

4.      Hochschulbildung in der Wirtschaftsregion Ruhr

5.      Informelles Lernen.

 

In allen diesen Bereichen besteht Handlungsbedarf. Keine Frage, es zeigt, wie dringend notwendig es ist, eine Bildungsreform im Ruhrgebiet durchzuführen. Wenn in allen fünf Bereichen Handlungsbedarf besteht, heißt das nichts anderes, als dass die Bildungsinhalte genau wie viele ihrer Gebäude, sanierungsbedürftig sind und dass lange an ihnen nichts gemacht wurde.

 

Die Analyse zur frühkindlichen Bildung verdeutlicht zunächst sozialstrukturelle und -räumliche Bedingungen im Ruhrgebiet. Die Armutsquote bei Kindern liegt im Ruhrgebiet bei 24,6% und damit deutlich höher als im restlichen NRW-Gebiet. Da liegt sie bei 16,8%. Außerdem ist für die frühkindliche Bildung insbesondere der durch Industrie und Arbeitersiedlungen geprägte Norden eine besondere Herausforderung, da dort schwierige Lebenslagen anzutreffen sind. Die HartzIV-Quoten und der hohe Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund sind dabei zu nennen. Eine ausreichende Anzahl an Kitaplätzen wären hier hilfreich und notwendig, um diesen vielfäligen Aufgaben gerecht zu werden.

Die PISA-Studie hat uns im internationalem Vergleich nicht gut aussehen lassen. Wir LINKE treten daher für die Frühförderung der Kinder auch bei den U3-Jährigen und für ein gebührenfreies Lernen ein.

 

Zu den allgemein bildenden Schulen ist zu sagen, dass die Metropole Ruhr ein überaus dichtes Netz an Schulangeboten im Primar- und Sekundarsektor aufweist, allerdings werden auch tiefgreifende quantitative und qualitative Veränderungen in den einzelnen Schulformen sichtbar, die ?erheblich in Frage stellen, ob die regionale Schulstruktur und das Schulformangebot noch bedarfsgerecht ist.? Hauptschulen haben in der Ruhrregion einen Überhang von 20,4%, im Vergleich zum restlichen NRW Land. Die Erziehungsberechtigten bevorzugen Schulformen mit gymnasialen Standard und den Optionen für sämtliche Bildungslaufbahnen und -abschlüsse. Die Anmeldungen für Hauptschulen sind daher rückläufig und werden zurückgehen, weil die Erziehungsberechtigten zunehmend Schulformen vermeiden, die sie als geringerwertig ansehen. Dies begünstigt den Zulauf zu den integrierten Gesamtschulen. Wir LINKE treten für das längere gemeinsame Lernen in einer Gemeinschaftsschule ein.

 

Die Analyse zur beruflichen Bildung und zur Fort- und Weiterbildung  ist in der Vorstudie relativ kurz ausgefallen. Sie zeigt allerdings auf, dass dieser Bereich aufgrund veränderter wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und der Entwicklung sozialer Lebenslagen an Bedeutung gewonnen hat. Hartz IV, die Ausweitung des Niedriglohnsektors und der  Abbau der sozialversicherungspflichtigen Stellen, um nur diese zu nennen, sind keine geigneten Rahmenbedingungen für eine stabile Lebensplanung. Im Ruhrgebiet sehe ich Hoffnung in der. eine Möglichkeit in der regionalen Steuerung, die auf berufliche Beschäftigungsfähigkeit und Erwerbsmöglichkeit ausgerichtet ist, wozu die berufliche Bildung und Fort-und Weiterbildung ihren Beitrag leisten kann.

Wir haben in der Besetzung des Konsortiums die Beteiligung der GEW vermisst, die IHK und die Gewerkschaften, außerdem kommen die Ausbildungszentren der beruflichen Weiterbildung nicht zu Wort. Diese einzubinden ist aber für die Komplexität des Themas sehr wichtig.

Zum Kosten- und Zeitplan zur Erstellung des Bildungsberichtes wird der RVR anteilig 150.000 Euro zur Verfügung stellen. Das ist viel Geld, aber die restlichen 350.000 Euro werden von den ?großen NRW-Stiftungen erwartet, die schon ihre Bereitschaft dazu erklärt haben?. Das ist noch mehr Geld. Bleibt zu hoffen, dass die großen privaten Stiftungen genügend unabhängig denken, z.B. ohne Einfluss von den Medien. Hier stöhnte die FDP-Fraktion deutlich auf. (Anm. der Autorin)

Bildung ist Allgemeingut. Bildung ist und muss mehr sein als verwertbares Gut. Bildung ist ein Teil unserer Kultur. Das Bildungssystem im Ruhrgebiet ist ein Teil unserer Kultur und muss neu gestaltet werden. Daher begrüßen wir die Vorstudie.

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