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Verbandsversammlung am 26. März 2012- Redbeitrag von Eleonore Lubitz zum TOP 2.20 Bildungsbericht Ruhr

Eleonore Lubitz

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren,

Wir begrüßen, dass der Verband sich für die Fortführung des Bildungsberichtes ausgesprochen hat, denn die vorläufige Abschlussveranstaltung zum Bildungsbericht Ruhr hat großen Anklang gefunden und alle Akteure sind nun ernsthaft bemüht aus den Ergebnissen die notwendigen Schlüsse für eine Bildungsregion Ruhr zu ziehen.

Sicherlich hat der Bildungsbericht auch manches Defizit aufgezeigt. Dabei gilt es nun nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern mutig und innovativ zur Tat zu schreiten.

Immer wieder wurde betont, dass die Region zusammenwachsen muss, um einer Wissensregion gerecht zu werden. Ein wichtiges Instrument ist dabei die interkommunale Zusammenarbeit.

Anstelle von Schulschließungen muss es jetzt darum gehen, Ziele wie höhere Bildungsabschlüsse, weniger Sitzenbleiber und weniger Wechsel zu Förderschulen umzusetzen, wie es unter anderem auch die Gewerkschaft GEW fordert.

Für eine gesicherte Berufslaufbahn darf aber von der Grundschule bis zur Hochschule auch die Weiterbildung und Berufsqualifizierung nicht vergessen werden.

Daher möchte ich auch erwähnen, dass neben dem Bildungsbericht Ruhr zur Zeit das Buch der vier Professoren Bogumil, Heinze, Lehner und Strohmeier  mit dem Titel ?Viel erreicht ? wenig gewonnen. Ein realistischer Blick auf das Ruhrgebiet.? diskutiert wird. Vorgestellt wurde dieses Buch unter anderem beim Initiativkreis Ruhr, indem weltweit agierende Unternehmen vertreten sind.

Zwei wesentliche Aussagen aus diesem Buch auf den Seiten 28 ? 31 unter dem Kapitel ?Das Schwinden von Humanvermögen? möchte ich hier kurz zitieren:

?Das Ruhrgebiet kann nur dann wieder eine wettbewerbsfähige Wirtschaft entwickeln, wenn die Qualität der Bildung stimmt. Die industriellen Stärken des Ruhrgebiets beruhten auch darauf, dass es hier nicht nur akademisch qualifiziertes Personal, sondern auch ein breites Angebot an qualifizierter Facharbeit gab.?

?Das Zusammenspiel von wachsenden Arbeitsmarktrisiken und sinkenden Leistungen der Sozialversicherungen führte dazu, dass ein wachsender Teil der Bevölkerung unter die Armutsgrenze fiel oder nahe an sie herankam ? und auch kaum Chancen oder Hoffnungen auf eine Änderung dieses Zustandes hatte.

Die hier angesprochene Problematik wird oft als Migrations- und Integrationsproblem verstanden. Das ist jedoch falsch. Wir haben es mit einem Unterschichtenproblem zu tun, das die Mitglieder dieser Schicht unabhängig davon trifft, ob sie einen Migrationshintergrund haben oder Deutsche sind. Die Unterschicht wird gerade im Ruhrgebiet nicht mehr durch den Beschäftigungsstatus (Arbeiter und Angestellte mit geringer beruflicher Bildung) definiert, sondern durch Arbeitslosigkeit oder bestenfalls prekäre Beschäftigung.?

Daher kann der Schluss gezogen werden, dass die Module III ?Berufliche Bildung und Fort-/Weiterbildung und V ?Bildungspotenziale jenseits formaler Bildung? des Bildungsberichtes eine besondere Herausforderung für unsere Region sind.

Unserer Region fehlt eine breite, öffentliche Bildungsdebatte.

Daher sollte kein Modul losgelöst für sich betrachtet werden. Deswegen fordern wir auch einen gesicherten Etatansatz für die Weiterführung des Bildungsberichtes und bitten unsere Ergänzungen als Beschlussvorschlag anzunehmen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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