Die Linke im RVR: Reden

Erwerb von Anteilen an der Ruhr Live gGmbH

Fraktion Die Linke, Monetta Marchiano

Redebeitrag von Monetta Marchiano zum Tagesordnungspunkt 10.8 der Verbandsversammlung

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrter Herr Regionaldirektor, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Parteien,


wir beraten heute über die Gründung der Ruhr Live gGmbH und damit über die zukünftige organisatorische Aufstellung der Ruhr Games.


Eine flexiblere Struktur kann helfen, sowohl inhaltlich als auch organisatorisch Schritt zu halten mit den Entwicklungen im Breiten- und Spitzensport, den Veränderungen im Kulturbereich, der Wahrnehmung der Industriekultur und der Anpassung des Jugendaustausches an Formate, die gerade im Trend sind.

Denn auf der einen Seite geht es darum, die Verbindung von Sport, Kultur und Industriekultur weiterzuentwickeln. Es geht um niedrigschwellige Zugänge, um Teilhabe, um die Erschließung neuer Zielgruppen. Auf der anderen Seite stehen steigende Anforderungen an Sicherheit, Technik und Organisation, die professionell abgebildet werden müssen.

Und trotzdem bleibt ein gewisser Widerspruch: Wir gründen eine neue Gesellschaft – während gleichzeitig immer wieder hinterfragt wird, ob die Beteiligungsstrukturen gerechtfertigt sind. Für uns als Linksfraktion ist entscheidend, welche inhaltlichen Ansprüche wir an die gGmbH bei der Umsetzung der Ruhr Games stellen. Wir erwarten folgende Dinge bei der perspektivischen Ausrichtung der Ruhr Games:

Erstens: Die Ruhr Games müssen partizipativer werden. Inklusion darf kein Schlagwort sein, sondern muss gelebt werden. Die stärkere Einbindung von Breiten- und Spitzensportler*innen mit Beeinträchtigung ist für uns zentral. Selbst die Paralympics zeigen, dass differenzierte Förderung immer noch nicht funktioniert. Dazu gehört auch, die vorhandenen Kompetenzen noch besser zu vernetzen: Hochschulen, Sportfachverbände, Kommunen und Kulturinstitutionen. Satellitenformate oder Fachtagungen – ähnlich wie bei der FISU – können helfen, solche Themen stärker zu platzieren.

Zweitens: Die Ruhr Games müssen ein Event für alle sein. Nicht nur zum Zuschauen, sondern zum Mitmachen, Mitgestalten und Mitdiskutieren. Ein Ort der Begegnung und des Austauschs – und zwar unabhängig vom Geldbeutel.

Drittens: Nachhaltigkeit muss konsequent weiterentwickelt werden. Gerade die Zusammenarbeit mit den Sportverbünden in den Kommunen bietet hier großes Potenzial.

Und viertens: Wir wollen eine klare Werteorientierung. Dazu gehört für uns auch, wie man den Austausch mit Jugendlichen aus Partnerregionen wie Manchester oder der Metropolregion GZM in Polen stärker fördern und entwickeln kann.

Ein besonders wichtiger Punkt ist für uns die politische Steuerung und Kontrolle. In der Antwort auf die CDU-Anfrage – und auch auf unsere Nachfrage – wird deutlich: Weder Ausschüsse noch Verbandsversammlung sollen Entscheidungskompetenzen für die Ruhr Games haben. Das halten wir für problematisch!
 

Die strategische und inhaltliche Weiterentwicklung darf nicht ausschließlich im Aufsichtsrat im Rahmen der Wirtschaftsplanung stattfinden. Wir erwarten mindestens eine regelmäßige Berichterstattung im Fachausschuss. Perspektivisch wäre auch die Wiedereinrichtung eines eigenen Arbeitskreises innerhalb des Ausschusses sinnvoll, um diesen Themen die notwendige Aufmerksamkeit zu geben.
 

Gerade weil Sport, Kultur, Bildung und Wissenschaft so eng miteinander verknüpft sind. Sport ist nicht nur Event, sondern hat eine zentrale soziale und gesundheitspolitische Funktion.

Deshalb ist es uns auch wichtig, dass die Ruhr Games stärker in die Breite wirken. Die geplanten Satellitenformate müssen alle Mitgliedskommunen einbeziehen. Das ist bereits beschlossen worden – und daran sollte sich die Umsetzung messen lassen. Es geht um Bewegung, um körperliche Aktivität, um reale Begegnung.

Auch die Verzahnung mit der Regionalen Kulturstrategie 2030 bietet Chancen – etwa für interkulturelle Ansätze oder für den Tourismus.


Eine Beteiligung des Landes ist keineswegs selbstverständlich, das zeigt die Antwort auf unsere Anfrage. Wir erwarten, dass der Austausch mit dem Land weiter geht. Das Land steht hier in der Verantwortung – nicht zuletzt im Kontext der Ruhrkonferenz oder der Bewerbung zu Olympia 2036, 2040 und 2044. 

Umso wichtiger ist es, hier politisch Druck zu machen!

Zum Schluss möchten wir uns als Fraktion ausdrücklich für die Beantwortung unserer Fragen bedanken.

Trotz der genannten Kritikpunkte und offenen Fragen stimmen wir dem Beschluss zu – verbinden dies aber mit der klaren Erwartung, dass die Ruhr Games sich in Richtung eines inklusiven, nachhaltigen und wirklich breit wirksamen Formats weiterentwickeln.

Vielen Dank.

 

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