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Verbandsversammlung Redebeitrag vom Tomas Grohé zum TOP 2.9 Route Industriekultur: RVR-Vertrag mit dem Land

Tomas Grohé

Sehr geehrter Herr Vorsitzender ,

werte Kolleginnen und Kollegen,

Sie werden verstehen, dass ich als ehemaliger Mitarbeiter der IBA Emscher Park die Entwicklung der Route der Industriekultur mit besonderem Interesse verfolge:

Ich erinnere mich noch gut an die anfänglichen Bedenken und die teilweise heftige Ablehnung gegenüber der Idee, Industriestandorte neu zu interpretieren und sogar als “Kathedralen der Arbeit“ noch zusätzlich in Wert zu stellen, wo sie doch das Symbol für allzu monostrukturierte Wirtschaftsentwicklung sind – auf jeden Fall aber das Symbol für den Verlust zigtausender Arbeitsplätze …

 

Dann aber – nach ihrer IBA finanzierten Inszenierung und internationalen Präsentation wurden sie recht schnell zu Symbolen des Strukturwandels, des Kulturbewusstseins und – ja des Stolzes dieser Region.

Und heute?

Heute mehren sich die Zeichen, dass sie als Ballast empfunden werden – diesmal nicht aufgrund ihrer geschichtlichen Belastung, sondern schlicht wegen ihrer Kosten für Pflege und Entwicklung.

Die Region und damit auch die Landesregierung und sicherlich auch der Bund sind gefordert, sich deutlich zu positionieren und klare Zeichen zu setzen für den Erhalt und die Inwertsetzung der Großstandorte und der Route der Industriekultur insgesamt. Denn nicht allein die Großstandorte, sondern das Produkt Route Industriekultur mit den Wohnsiedlungen, den technischen Bauwerken und Landmarken sind das Markenzeichen der Region. Sie ermöglichen wie nirgendwo anders das Nach-Erleben des Industriezeitalters in einer einmaligen Bandbreite.

Nicht zuletzt deshalb wird die RTG sich im Rahmen des EU-Projektes mit den Potenzen der Industriekultur für den Tourismus weiter auseinandersetzen und arbeitet die Verwaltung mit der Stiftung Industriedenkmalpflege weiter an der Bewerbung um Weltkulturerbetitel.

Nicht das defensive „Nur-noch Erhalten“ dessen, was als denkmalgeschützt angesehen wird ist gefragt, sondern die regelmäßige Instandhaltung gekoppelt mit einem kontinuierlichen Entwickeln von neuen Nutzungsideen und wenn auch reduzierte, aber dann verlässliche Investitionen in die eine breit gefächerte Bespielbarkeit. Das würde dem Geist und Sinn dieser gesellschaftlichen Kulturprojekte, als die sie ja immer wieder bei Ministerbesuchen und anderen Präsentationsgelegenheiten gefeiert werden,  entsprechen. 

Um diese ehemaligen industriellen Wertschöpfungsstandorte einer vergangenen Epoche herum wuchsen die Dörfer und wurden zu Städten, sie bildeten also fast urwüchsig das Zentrum auch städtischen Lebens. Und deshalb sollten sie so wieder – strukturgewandelt – zu neuen Zentren kulturellen  Lebens und Arbeitens, aber auch des Erlebens von Geschichte und möglicher Zukunft werden…

Wir können nur alle Beteiligten auffordern und ermuntern – und womöglich, das unsere dazu tun –alles zu unternehmen und sich verfahrenskreativ und phantasievoll  um neue Geldquellen zu bemühen, um ein weiteres Abgleiten dieser Standorte in den schleichenden Verfall zu verhindern. Es gilt unabhängig von dem Status des Vertrages mit dem Land bereits jetzt in Gesprächen mit den Standorten, den Kommunen und Dritten zu prüfen, wie neue Mittel für den Erhalt der Standorte generiert werden können und  wie die Region als Ganzes sich deutlicher  dafür auch in Berlin stark machen kann. Warum z. B. werden diese Kathedralen der Arbeit nicht genauso behandelt, wie der Kölner Dom und andere Kirchenbauten von besonderer Bedeutung, deren Restaurierungszuschuss von 1,5 Mio. in 2016 sogar um 200.000 € erhöht wurde. Die Dombauvereine in NRW erhalten aus diesem Haushaltstitel 2,85 Mio. € zur Erfüllung ihrer satzungsgemäßen Aufgaben. So sollten Sie ihre Verbindungen zur Landesregierung dafür nutzen, dass die ja überschaubare Anzahl der Standorte der Route der Industriekultur einen eigenen Haushaltsposten im Landeshaushalt erhalten z. B. unter dem Titel: Industriebauwerke von besonderer Bedeutung!

Denn deren Bedeutung müsste dem Industrieland NRW mindestens genauso am Herzen liegen, wie der z.B. der Erhalt des Schlosses in Brühl, dessen besonderes „Markenzeichen“ der Weltkulturerbetitel ist. Doch den hat die Zeche Zollverein auch! 

Diese Hinweise wollen wir unserer Zustimmung zur heutigen Beschlussvorlage voranstellen.

Danke 

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