Verbandsversammlung Redebeitrag von Wolfgang Freye zum TOP Marktstudie zur Vorbereitung einer Standortmarketingkampagne des Wirtschaftsstandortes Metropole Ruhr
Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen,
auch die LINKE- Fraktion wird dem Antrag in dieser Form nicht zustimmen.
Wir bedanken uns erst einmal ausdrücklich bei der Verwaltung, die noch einmal auf die Frage der Finanzierung der Kosten durch eine Entnahme der Gelder aus der Rückstellung für die Route der Industriekultur geantwortet hat. Das sei wohl kein Problem, geht aus der Antwort hervor. Die Finanzierung ist aber auch nicht der wichtigste Grund, weshalb wir die Vorlage ablehnen werden, sondern es geht uns um inhaltliche Fragen.
Es gab im Ruhrgebiet in der Vergangenheit mehrere Kampagnen. Eine war die Kampagne „Ein starkes Stück Deutschland“, die bis Mitte der neunziger Jahre lief, und dann vorher 1989 die Kampagne „Der Pott kocht“. Gerade diese letzte Kampagne war, darüber brauchen wir hier sicherlich nicht zu diskutieren, ein ziemlicher Griff daneben. Es gab etliche Oberbürgermeister, die sich dagegen gewehrt haben. Es gab ausgesprochen kritische Diskussionen innerhalb der Region. Auch außerhalb der Region ist die Kampagne ganz schlecht angekommen. 30 % der überörtlichen Berichterstattung dazu waren negativ.
Wir haben versucht die Frage zu klären, was solche Kampagnen überhaupt bringen. Wir sind dabei auf zwei Arbeiten gestoßen, auf eine Hausarbeit eines Studenten und auf eine Diplomarbeit von Nicole Rechmann, die sich speziell mit dem Erfolg oder auch dem Nichterfolg dieser Kampagnen beschäftigt haben.
Frau Rechmann kommt zu dem interessanten Schluss: „Mit Mitteln der Meinungsforschung konnten keine wirklichen Verbesserungen des Images messbar festgestellt werden. Es überwiegt …“ – und da geht es um die angeblich erfolgreiche Kampagne „Ein starkes Stück Deutschland“ – „noch immer das Bild der von Kohle und Stahl dominierten Industrieregion, obwohl weniger als 10 % der Beschäftigten in diesem Sektor tätig sind.“ Die Schlussfolgerung, die dann in dieser Diplomarbeit gezogen wurde, war, dass Vorurteile nicht mit schönen Bildern und originellen Werbesprüchen aus der Welt geschafft werden können, sondern das Engagement verändert werden muss in Richtung direktes Kennenlernen der Region, zum Beispiel durch die Förderung des Tourismus in die Region.
Genau da sind wir auf einem ausgesprochenen guten Weg in den letzten Jahren. Die Kulturhauptstadt hat einen Quantensprung bewirkt. Sie hat zu vielen Besuchen in der Region angeregt. Mich hat es schon überrascht, dass die Besucherströme in den Jahren nach der Kulturhauptstadt weiter zugenommen haben. Das Ereignis hat hier also durchaus eine nachhaltige Wirkung entwickelt.
Wir sind auch unbedingt dafür, dass Fragen der Tourismusentwicklung in der Region weiter gefördert werden. Das tut man aus unserer Sicht jedoch nicht mit einer Imagekampagne, wie sie hier angeregt wird und für die wir heute 100.000 € für eine Evaluation zur Verfügung stellen sollen.
Zudem kommt hinzu, dass ja eigentlich völlig unklar ist, worauf man mit der Kampagne eigentlich zielen will. Das ist ja auch einer der Gründe, weshalb hier eine Studie angeregt wird. Das finden wir vom Vorgehen her schon irgendwie merkwürdig: Erst zu sagen, wir machen eine Kampagne und dann zu sagen, jetzt brauchen wir für viel Geld erst einmal eine Studie, warum und wofür. Das ist doch kein vernünftiges Vorgehen!
Die Kampagne, um die es hier geht, ist im Wesentlichen von den Wirtschaftsförderern der Region angeregt wurden. Aber gerade die Frage, was eine Imagekampagne für die Wirtschaftsförderung bewirken kann, wie auf diesem Wege Investitionen hier in die Region „gelockt“ werden sollen, ist doch unklar – noch mehr, als die möglichen Wirkungen einer Imagekampagne für den Tourismus. Investoren kommen doch nicht in die Region, weil nach außen ein schönes Bild gezeichnet wird, sondern dann, wenn entsprechende Angebote da sind. Sie gehen nach knallharten Fakten, nach der Möglichkeit, Profite zu machen. An solchen Angeboten arbeitet die Wirtschaftsförderung gerade, wie die Diskussion um die Flächenproblematik deutlich macht, so dass aus unserer Sicht eine Imagekampagne wahrscheinlich nicht viel mehr bringen wird.
Aus diesen Gründen werden wir der Finanzierung der Marktstudie nicht zustimmen. Wir haben ja auch schon in der Haushaltsdiskussion unsere Anmerkungen zu der Kampagne gemacht und wir werden sie weiterhin kritisch begleiten, auch wenn der Beschluss hier heute so gefasst wird.
Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit!

